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Circus S


Für viele Musiken des 20. Jahrhunderts ist die räumliche Situation im traditionellen Konzertsaal unbefriedigend: Hinsichtlich der architektonisch-räumlichen Disposition, in der die Musik auf der Bühne spielt und das Publikum getrennt davon in einem abgedunkelten Zuschauerraum sitzt. Hinsichtlich der damit verbundenen Rituale, die dem Hörer in die Unbeweglichkeit und in eine bestimmte  - andächtige Hörhaltung zwingt. Und hinsichtlich der Musik, die den Klangraum selbst thematisiert, den Hörer und seine Disposition zum Hören gleich mitdenkt und dies auch tatsächlich erfahrbar machen möchte.

Zwei Musiker, die Schlagzeuger Arnold Marinissen und Stephan Meier, haben sich aus Unbehagen gegenüber der ungenügenden räumlichen Aufführungssituation eine originelle Lösung für dieses Problem ausgedacht: 2002 gründeten sie CIRCUS S und schufen sich einen eigenen Konzertraum – ein Zirkuszelt.

Film CIRCUS S von Kirsten Winter: Stephan Meier zur Entstehungsgeschichte


Die Vorteile dieses Aufführungsraumes sind bestechend. Allein der Transfer dieses Raumes aus der Welt des Zirkus’, der Welt der wagemutigen Artisten, der traurigkomischen Clowns, der ungewöhnlichen Tiere in die vermeintlich ernste Welt der zeitgenössischen Musik bewirkt vieles: Es entsteht von vorneherein eine Theatersituation, unabhängig davon ob die Musiker sich in die Mitte der Manege stellen oder um das Publikum herum. Die Besonderheit dieses Raumes und seine Konnotationen mit „Tiere, Menschen, Sensationen“ organisiert eine andere Hörhaltung, mit der das Publikum sich der Musik nähert, sie senkt sozusagen die Hemmung über die Schwelle einzutreten. Natürlich ermöglicht die zentrale Form, das Rund des Zeltes viele Musiken, die in Konzertsälen klassischen Zuschnitts nur unter erschwerten und unbefriedigenden Bedingungen aufführbar sind. Und es inspiriert weiterhin Komponisten für genau solche zu schreiben.

Die Nachteile eine Zeltes, nämlich dessen dünnen Wände, die gegenüber Außengeräuschen und Lärm, gegenüber Wind und Wetter durchlässiger sind, und damit keinen « reinen Hörgenuss» ermöglichen, werden in die Hörereignisse integriert. Die Herausforderung für die Musiker und auch den Tontechniker ist, dass sie es immer wieder mit anderen Aufführungsbedingungen zu tun haben, und diese mit in ihre Arbeit einbauen. Und somit die Hörbarmachung der Werke – zumindest ideell – ein Stück weit in die Realität der Menschen und der Umwelt zurückführen:


Film CIRCUS S von Kirsten Winter: Statement Peppie Wiersma

 

 

 
Kommentare (2)
Nuknik | Donnerstag, den 20. Oktober 2011 um 05:06 Uhr
Die Zukunft für die unterfinanzierten Neue Musik Projekte ?
Als nächstes Projekt würde ich das "Unter den Brücken spielen" vorschlagen.
Anke Ames | Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 20:38 Uhr
Guten Tag, ich finde es wunderbar, sich eigene Konzerträume zu schaffen! Ich mache es schon lange, und die Idee, in öffentlichen Eisenbahnunterführungen zu konzertieren, gebe ich gern weiter. Näheres unter www.ankeames.de

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ENSEMBLE S

Arnold Marinissen, Stephan Meier und Peppie Wiersma, die u.a. in Den Haag am Koninklijk Conservatorium Schlagzeug studierten, arbeiten seit 1994 daran, instrumentale Perfektion mit unprätentiöser Darbietung zu vereinen. 1998 gründeten sie das Ensemble S.

MM&T

Massimo Mariani (Chief Engineering) und Walter Prati (President) sind Gründungsmitglieder des Vereins MM&T (Musica, Musicisti & Tecnologie) aus Mailand, der seit 1990 die Möglichkeiten elektronischer Klangproduktion und Klangformung aus der Perspektive der Musiker und Komponisten zu erforschen und darzubieten.

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