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EditorialDer Raum ist für die Neue Musik ein wichtiges Thema. In der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts erscheint er als der Impuls, der einen Paradigmenwechsel bewirkte - im Innern der Musik selbst, ihrer Ästhetik und in ihrem Verhältnis zu den Hörern und der Gesellschaft: die Verräumlichung der Musik.
Musik erklingt in der euklidischen dreidimensionalen Box der gebauten Räume unserer Zimmer und Konzertsäle. Außerhalb dieser gebauten Räume geraten wir in den Klang- und Geräuschkosmos unserer direkten Umgebung. Selbst wenn wir uns von der akustischen Umwelt isolieren und uns mit Mp3-Player verstöpseln und Kopfhörer aufsetzen, haben wir uns nur von einem Klangraum in den anderen bewegt, vom öffentlichen in das private Klanguniversum. Nicht zu vergessen der mediale Raum des Radios und des Internets, den wir fast überall betreten können, um zu kommunizieren oder um zu hören. Jeder dieser Räume prägt die Musik, die Klänge: durch seine Physis, seine Ausdehnung, seine Akustik, seine Atmosphäre, durch korrespondierende, konkurrierende oder störende Klangwelten. Immer ist unser Ohr mit im Spiel, mit seinen Fähigkeiten die Klänge zu orten, die Richtung, aus der sie kommen, zu bestimmen, die Texturen und Farben von Klanggemischen nach Mustern zu filtern und sie in ihrer Bedeutung und emotionalen Gehalt nach wahrzunehmen und zu interpretieren. Komponisten, Klangkünstler und Architekten machen diese Vielfalt an Räumen sichtbar und akustisch erlebbar. In einer Art Rollentausch wird der Komponist zum Klangbildner, wenn er sein spezifisches Arbeitsmaterial – die Töne und Klänge – wie ein Architekt als plastisches Material benutzt und damit Klangräume baut. In den akustischen Interventionen, mit denen Klangkünstler bestimmte öffentliche Räume besetzen, greifen sie auch in die städteplanerische (Un-)Ordnung ein und markieren bestimmte Orte im urbanen Raumgefüge akustisch/klanglich. Und offensichtlich fühlt sich die Neue Musik seit gut einem Jahrhundert in den für das klassische und romantische Repertoire gebauten Häusern nicht mehr heimisch. Aus diesen hat sie sich zeitweise zurückgezogen und ist in Randgebiete und andere, subkulturelle Terrains gezogen. Quasi-nomadisch passt sie sich unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten an und integriert die Spezifik der anderen Orte in ihr Klanggeschehen. Für die dritte Ausgabe von D sounds haben wir einzelne Werke, Klangkunstprojekte und Vorhaben ausgewählt, die diese verschiedenen Facetten von Raum in der Neuen Musik verkörpern und anhand von Text, Bild und Ton nachvollziehbar machen. Und die deutlich machen, dass der Raum – sei es als komponierter Raum, als gebauter Raum oder als gehörter Raum – als conditio sine qua non der Musikwahrnehmung, untrennbar mit ihr verbunden ist und somit eine implizite Vermittlungsinstanz darstellt.
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