|

Peter Kiefer: Klanginstallation im Rhododendronhain
24-kanalige Raum-Klanginstallation auf der BuGa 2011
Gärten sind besondere Orte, waren es immer schon. Ob als formaler französischer Garten oder Zen-Garten, als lehrreicher botanischer Garten, als Landschaftsgarten oder als der heute so beliebte naturnahe Garten – er verkörpert schlechthin den anderen Ort. In ihm klingt immer noch, und ist der Garten noch so klein, die Sehnsucht nach dem Paradies, nach dem Arkadischen an. In ihm tritt man aus der eng getakteten Metrik des Alltags heraus, atmet frische Luft und ist für eine begrenzte Zeit der Natur nahe. Man lässt sich treiben.
Gärten als solche Widerlager zum gesellschaftlichen Gefüge, als Gegenorte oder im Foucault’schen Sinn als ‹Heterotopien› üben auch für die Klangkunst besonderen Zauber aus. In ihrem Metier, mit Klang, birgt sie quasi-archäologisch aus den Sedimenten der Vergangenheit versunkene Geschichten, macht die andere Zeit, die Rhythmen der Naturläufe erlebbar und bringt die irritierenden Übergänge von vermeintlich ursprünglicher Natur zur menschlich geformten Kultur zu Vorschein.
Für die Zeit der Bundesgartenschau vom 15. April bis 16. Oktober 2011 wird der Gartenteil zwischen Koblenzer Schloß und Oberlandesgericht, der sogenannte Rhododendren-Garten, mit künstlerischen Klanginstallationen bespielt. Peter Kiefer, Klangkünstler aus Mainz, hat dafür ein künstlerisches Konzept entwickelt und namhafte Klangkünstler aus ganz Europa eingeladen:
Alvin Curran / Luca Spagnoletti (Rom): RHINESTONES - (Bigiotteria) Florian Dombois (Bern): Die Hornitos Kaspar König (Maastricht): Soundkite Tilman Küntzel (Berlin): Units für Stare zum Lehren von Tonfolgen
Fotos der Klanginstallation BuGa 2011
Peter Kiefer über die Raum-Klanginstallation:
In einer mehrkanaligen Raumprojektion kreisen Klänge durch den Raum des Rhododendronhains oder bilden Klanginseln auf dem Rasen, welche zum verweilen einladen. Im Garten kann man sich entschleunigen, die Pflanzen genießen, Zeit finden und sich dem Hören widmen.
Thema der Klanginstallation ist die Zeit !
Alles Leben ist ein Werden und Vergehen in unterschiedlichen Rhythmen und Zeitabständen. Neben den Rhythmen unseres Körpers wie Atmen und Gehen, kommen die Tages- und Jahreszeiten und dehnen sich immer weiter aus bis in die historische Dimension der alten Bäume und Gebäude bis hin zu Erdzeitaltern, in denen sich der Fluss in das Land gräbt und die Landschaft sich formt.
Die Raum-Klanginstallation thematisiert diese unterschiedlichen Zeitspannen und Zeitebenen
Der Ort steht dabei für die Zeit selber: Der Rhododendronhain beinhaltet in sich schon viele Zeitachsen – vertikal zum Beispiel die Höhe der Bäume, horizontal die alte Befestigungsmauer. Viel kürzere Zeitspannen lassen sich durch die Veränderungen in der Natur selber erkennen.
Die Klanginstallation passt sich diesen Zyklen an, er wird sich immer verändern und je nach Jahreszeit und Wachstumsphasen der Natur cirka alle 6 Wochen neu abgemischt.
sähen keimen sprießen wachsen blühen aussähen ernten
Klang ist Prozeß - er entsteht – bleibt – vergeht

Grafik Klanginstallation BuGa 2011
|